Für die Freiraumplanung mit Vectorworks ist der Belag/Weg eines der wichtigsten Werkzeuge. In den letzten Jahren trimme ich meine Kunden in Schulungen und Support stetig dieses Werkzeug zu nutzen – mit Erfolg. Der Belag/Weg ist zwischenzeitlich in vielen Büros und GaLaBau-Betrieben angekommen. Zeit einen freundlich-kritischen Blick auf die Stärken aber auch Schwächen dieses Tools zu werfen.
Status „betriebsbereit“:
Vorgaben für verschiedene Belagsarten und -aufbauten stehen in der Vectorworks-Bibliothek zur Verfügung. Ebenso ist es möglich eigene Stile für die individuelle Nutzung anzulegen. Abgesehen von kleineren Schwächen in den Menüs (z. B. bei den Attributen), sind umfangreiche Einstellungen für 2D-, 3D- und Schnittdarstellungen einfach möglich. Schichtaufbauten und integrierte Geländemodifikatoren sorgen für perfekt hybrides Arbeiten und liefern umfangreiche Daten z. B. für Massenermittlungen. Zusätzlich können Daten für Nachhaltigkeit, Kosten und vieles mehr hinterlegt werden.
Erstellen kann man Belag/Weg-Flächen entweder über die Zeichenmethoden der Polylinie oder man wandelt Flächen der 2D-Planung in Belag/Weg-Flächen um. Diese Optionen decken unterschiedliche Workflows ab und lassen (zumindest bei mir) keine Wünsche offen.
Höhenplanungen sind über unterschiedliche „Modi“ von einfach bis komplex möglich. Grundsätzlich basieren die Möglichkeiten zur Höhenplanung auf der Wahl des verwendeten Geländemodifkators. Die Höhenplanung selbst entspricht dann der des gewählten Modifikators.
Einfache Oberflächen – waagrecht oder mit Längs- und Quergefälle – lassen sich mit der Einstellung Modifikator „Bruchkante Fläche“ sehr gut planen. Die Höheneingabe über die Infopalette kombiniert mit der Eingabe von Gefällerichtung und Gefälle über Maus und Tastatur ist gut und intuitiv. Über diese Option kann man eine 2D-Planung schnell und zuverlässig in die dritte Dimension schieben.
Status „verbesserungswürdig“:
In der Landschaft gibt es zwei häufige Anwendungsfälle, die das Werkzeug aktuell noch nicht perfekt abdeckt – Flächen mit komplexer Topographie und Wege. Komplexe Oberflächen ergeben sich z. B. über Punktgefälle oder die Anbindung an umliegende Bauteile und Flächen. Bei Wegen geht es um einen linearen Verlauf mit gleichbleibender Breite und dem Pfad folgender Höhenplanung. Beide Anwendungsfälle lassen sich mit dem Belag/Weg-Werkzeug zwar umsetzen, allerdings mit Luft nach oben.
Für komplexe Oberflächen empfiehlt sich der Modifikator „angepasst“. Mit diesem Modifikator passen sich die Belagsränder automatisch an umliegende Höhen an. Diese Anpassung ist über Ebenen steuerbar und funktioniert inzwischen weitestgehend zuverlässig. Insbesondere bei Rundungen werden angrenzende Beläge allerdings häufig nicht oder nicht vollständig erkannt. Dieses Problem resultiert nach meiner Einschätzung auf der Kreisauflösung im 3D. Da in der Landschaft allerdings regelmäßig mit Kurven und Rundungen gearbeitet wird, wäre hier mehr Zuverlässigkeit wünschenswert.
Über die Anpassung hinaus bietet der Modifikator „angepasst“ die Möglichkeit die Topographie einer Fläche mit „Oberflächenmodifikatoren“ zu definieren. Mit Gefälle/Grundriss-Objekten oder -Netzen kann eine exakte Höhenplanung der Randbereiche und der Oberfläche erfolgen. Gerade die neuen Polylinienmethoden des Gefälle/Grundriss-Werkzeugs ab Version 26, öffnen hier alle Möglichkeiten auch für komplexe Oberflächen.
Großes Manko der Oberflächen-Modifikatoren ist aktuell noch die Handhabung.
Vor allem, dass die Anwendung der Oberflächenmodifikatoren in einem Bearbeitungsmodus stattfindet, finde ich im normalen Workflow sperrig. Zudem wird in diesem Modus das aktive Belag/Weg-Objekt nicht gehighlightet. Man kann wahlweise „alles ausblenden im Berarbeitungsmodus“ – verliert dann aber auch den Zeigerfang – oder man lässt alles eingeblendet und hofft am richtigen Objekt zu arbeiten. Auch fliegt man gelegentlich – z. B. bei einem automatischen Backup – aus dem Bearbeitungsmodus raus. Nervig.
Grundsätzlich bietet der Modifikator „angepasst“ alles was man sich wünscht – die Ränder passen sich an umliegende Flächen an und in der Fläche kann man mit Gefälle/Grundriss exakt planen. Damit das Werkzeug wirklich praxistauglich wird (und Spaß macht!) müsste die Anpassung noch zuverlässiger und die Oberflächenmodifikatoren erreichbarer werden.
Für die Planung von Wegen gibt es aktuell drei Optionen.
Wie bei komplexen Oberflächen ist es möglich über den Modifikator „angepasst“ beliebige Höhenverläufe, Quergefälle usw. zu planen. Das Gefälle/Grundriss-Werkzeug bietet hierfür sehr umfangreiche Möglichkeiten, macht die Wegplanung allerdings auch sehr komplex. Nachteil ist zudem, dass sich die Höhenplanung bei Änderungen von Wegverlauf oder Wegbreite nicht anpasst.
Die beiden anderen Optionen basieren auf dem Modifikator „Bruchkante mit Mittelachse“. Verwendet man den Belag/Weg als Weg, ist dieser Modifikator automatisch ausgewählt. Stellt man „Bruchkante um Mittelachse“ als Modifikator bei einer Fläche ein, findet Vectorworks erstaunlich zuverlässig die Mittelachse/den Pfad der Wegfläche.
„Bruchkante um Mittelachse“ bzw. die Einstellung „Weg“ ist aus meiner Sicht der richtige Ansatz für die Planung von Wegen. Positiv ist vor allem, dass Änderungen des Pfads und der Wegbreite einfach möglich sind und automatisch auch die Höhen und Modifikatoren geändert werden.
Aktuell sind die Möglichkeiten der Höhenplanung jedoch noch zu begrenzt. Querprofile bieten zwar die Möglichkeit Höhenverläufe zu planen, können aber nicht präzise (Lage, Abstände, Gefälle,…) platziert oder angepasst werden. Hier wären exaktere Platzierungen z. B. mit Hilfe der Objektmaßanzeige oder Infopalette oder die Eingabe von Strecken und Gefällen wertvoll. Perfekt wäre die Planung von Wegverläufen anhand einer Abwicklung.
Wünsche/Vorschläge:
– Höhere Zuverlässigkeit bei der Anpassung gerundeter Flächen – Aneinandergrenzende Flächen sollten bei der Kreisauflösung identisch aufgelöst werden, damit keine Lücken entstehen und die Anpassung zuverlässiger funktioniert.
– Höhenplanung komplexer Oberflächen vereinfachen – Angepasste Flächen sollten auf externe Gefälle/Grundriss-Objekte reagieren, oder mit diesen verknüpfbar sein. (statt interner Oberflächenmodifikatoren)
– Planung von Randhöhen – Die Kontur einer angepassten Fläche sollte als eigenständiger Pfad über eine Höhenplanung mit Punkthöhen und Gefällen verfügen. (Hierzu sehe ich großes Potential im Werkzeug Einfassung. Dazu mehr an anderer Stelle.)
– Präzise Höhenplanung bei Wegen – Die Höhenplanung eines Weges mit Hilfe einer Abwicklung wäre super. Alternativ wäre das präzise Setzen von Querprofilen mit Abständen, Abschnittslängen und -gefällen eine große Verbesserung.
– separate Werkzeuge für Flächen und Wege – Flächen und Wege sind aus meiner Sicht sowohl im 2D als auch in der Höhenplanung vollkommen unterschiedliche Aufgaben. Statt beides in einem Werkzeug zu platzieren, würde ich mir ein Weg- und ein Flächenwerkzeug wünschen. Beide könnten hinsichtlich der Belagsaufbauten, Darstellungen und Inhalte auf die gleichen Stile zugreifen. Das Flächenwerkzeug wäre dann auf die Planung von Flächen ausgelegt und wäre durch den Entfall der Option „Weg“ oder „Bruchkante mit Mittelachse“ intuitiver. Dem Werkzeug Weg könnte man dann umfangreiche Möglichkeiten für eine Pfadbasierte Höhenplanung mitgeben.
Fazit:
Der Belag/Weg ist und bleibt ein super Werkzeug für die Freianlagenplanung. Die vorhandenen Möglichkeiten bieten bereits alle Voraussetzungen um aus einem fast perfekten Werkzeug ein perfektes zu machen.